Rumänien – Benjamin

Das hier wird lang. Christof und ich sind nämlich vom 28. Februar bis zum 8. März durch Rumänien gereist und haben dabei die etwa 4 größten Städte abgeklappert. Hier unsere Reiseroute:

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  • Hinreise über Bratislava und Budapest; halber Tag und ganze Nacht
  • Cluj (Klausenburg); 2 Tage
  • Iasi; 1 Tag
  • Reisetag
  • Constanta; 3 Tage
  • Bukarest; 2 Tage
  • Bukarest, 3. Tag: Rückflug nach Bratislava

Die ganze Reise war sehr spannend, teilweise ein halbes Abenteuer. Wir sind an Orte gekommen, an die man normalerweise nicht kommt, oder nicht denkt. Ich hoffe, ich kann euch durch diese Reisereportage etwas mitnehmen.

Alles begann eines schönen Samstag Mittags. Mit dem Zug ging es nach Bratislava, von dort mit einem weiteren Zug nach Budapest und von Budapest schließlich mit dem Fernbus nach Cluj (sprich Klusch), unserer ersten Station. Am nächsten Morgen, so gegen 5 Uhr, waren wir nach 17 Stunden Reise endlich angekommen und wurden sogar auch freundlich empfangen. Denn das EJW pflegt mit einem Kloster in der Nähe eine Partnerschaft (http://www.ejw-weltdienst.de/laender-und-projekte/rumaenien/). So hatten wir neben einem Kontakt auch gleich eine Unterkunft.

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Nachdem der Gehweg runtergebrochen ist, wurde er einfach abgesperrt
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Ein Angler in der Stadt

Nachdem wir den Sonntagmorgen über Schlaf etwas nachgeholt haben, gingen wir in die Stadt. Man merkt schon, dass man in Rumänien ist. Vieles ist verwahrlost, viel Dreck und Mühl, kaputte Häuser und Wege. Dem steht allerdings eine hübsche Altstadt gegenüber, die von österreich-ungarischer Architektur maßgeblich inspiriert ist. Dieser Mix ist sehr prekär und wird uns noch in anderen Städten begegnen.

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Cluj

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Am Nachmittag trafen wir uns mit Roxanne unserem „Guide“. Sie kannte wiederum einen (orthodoxen) Priester, der beruflich in so etwas wie die ehemalige Hauptstadt Rumäniens musste. Schließlich saßen wir dann bei ihm im Auto und haben neben seiner Frau noch seine süße kleine Tochter kennengelernt. Die Fahrt, wir auch dir Rückfahrt, war spannend, da ich viele Fragen über die orthodoxe Konfession loswerden konnte. Das Kennen Lernen der orthodoxen Kultur war ein sehr großer Faktor, der die ganze Reise so interessant gemacht hat, vor allem da ich diese Richtung des Christentums noch nicht im Geringsten kannte. Dazu muss man wissen, dass Rumänien ein sehr religiöses Land ist, mit 87% orthodoxen Christen.

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Eine Orthodoxe Kirche von innen (die Pfeiler rechts und links gehören eigentlich nicht dazu)
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An diesem hübschen, geschichtsträchtigen Ort (Namen vergessen)

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Auf der Rückfahrt hielten wir noch an einem Kloster Halt. Besser gesagt an einer Gedenkstätte, oder besser gesagt an beidem. Das hat mit der Geschichte und der Religion zu tun.

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Diesee Kreuze steht für das Opfer der Heiligen, die im Kommunismus umgekommen sind. Jeder von ihnen trägt das große Kreuz, Jesus Christus. Unten drunter ist eine Kapelle und ein Raum, in dem die Knochen von den Heiligen und Ikonen „ausgestellt“ sind.

Im Kommunismus wurden in Rumänien viele geistliche ermordet. An dem Friedhof, wo diese begraben sind, wird an dieser Gedenkstätte an sie gedacht. Da sie eben nun von der Kirche als Heilige anerkannt wurden, die in der orthodoxen Religion sehr wichtig sind, gibt es nun dort ein eigenes Kloster. Dort lebt ein Mönch und ein paar „Lehrlinge“, die nun die Erinnerungsarbeit leisten und eben auch Ikonen von den Opfern erstellen, an die dann wiederum gebetet wird. Es ist schwer es zu beschreiben, weil es kaum mit etwas vergleichbar ist, was wir kennen. Jedenfalls wurde eigens für diesen Zweck erst kürzlich das Kloster samt 2 Kapellen errichtet (Teile waren noch im Bau). Die ganze Architektur darin ist sehr symbolisch, die Anzahl der Kerzen und der Stühle, die Formen, alles ist genauso gewollt.

Die Kapelle von innen
Die Kapelle von innen

In dieser hochspannenden, abendlichen Privatführung konnten wir viel darüber erfahren. Insgesamt ist es eine sehr „aktuelle“ kirchliche Arbeit, bei uns kommt es selten vor, dass im so großen Stil noch neue Kirchen gebaut werden.

Montag

Roxanna hatte mal wieder gute Kontakte und so sind wir in eine Art Privatmuseum. Ein begeisterter Sammler hatte alle möglichen Stück rumänischer Kultur zusammengetragen und bei sich zu Hause ausgestellt. Die Vielzahl an Ausstellungsstücken; die Tatsache, dass alles zum Anfassen und die nette persönliche Führung hat die Qualität eines Museums bei weitem übertroffen. Der nette Mann hat uns alles erklärt (Roxanna hat übersetzt).

seine Sammlung
seine Sammlung

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Eine Art Werkzeug und gleichzeitig ein Musikinstrument

So kam es, dass Chris und ich über 70 Jahre alte, originale rumänische Kleidung anprobieren durften.

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Nach einem Spaziergang durch den Botanischen Gartens, besichtigten wir die „Campuskirche“ ihrer Universität. Sie ist ganz aus Holz, sehr schön und von erstaunlich vielen Studenten benutzt.

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Als es schon dunkel wurde, sind wir noch auf einen kleinen Berg hochgestiegen, von dem man einen guten Blick auf die Stadt hatte – dann ging es schon auf den Zug. Wir hatten uns von Roxanna (am selben Tag) den Ratschlag geben lassen, nach Iasi zu fahren, einer anderen großen wohl sehr schönen Rumänischen Stadt in der Moldauregion. Dem sind wir spontan gefolgt, die Unterkunft wurde abends auf dem Bahnhof gebucht.

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Cluj bei Nacht

Die Zugfahrt dauerte satte 9 Stunden und ging durch die Nacht.

Dienstag

Ziemlich müde kamen wir am frühen Morgen in Iasi an. Die Stadt pulsierte schon, alles ist am Rennen.

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Iasi

Wir haben unsere Sachen in der Unterkunft abgelegt und sind in die Altstadt gegangen. Die mussten wir erst ziemlich suchen, es gibt kaum Fußgängerzonen und so ist eine wirkliche Altstadt auf den ersten Blick kaum erkennbar. Wir besichtigten ein Kloster (von denen es in Iasi gerade nur so wimmelt) und einen anliegenden Turm. Von oben hatten wir eine gute Aussicht und der Führer, der uns hochbegleitet hatte, wusste glücklicherweise sehr viel über die Stadt. Er hat uns viel erklärt und uns mit einer Stadtkarte ausgestattet, ein echter Glückstreffer für uns, vor allem da wir von Iasi davor noch nicht mehr wussten als den Namen.

Das Kloster von oben
Das Kloster von oben

Daraufhin sind wir ein wenig durch die Stadt gelaufen, gefallen hat sie mir nicht so wirklich, aber es ist sehr interessant so eine Stadt einmal zu erleben. Wieder fallen die Kontraste sehr stark ins Auge. Hässliche, graue schon verfallene Wohnkomplexe treffen auf alte majestätische Gebäude, auf Kirchen und auf ganz neu hochgezogene Shoppingcenter und ähnliches. Geht man mal einmal 1km weiter kann das Stadtbild schon wieder ganz anders aussehen. In dieser Stadt habe ich mich ziemlich weit weg von zu Hause gefühlt- Slowakei ist ja schon ein bisschen anders aber Rumänien ist nochmal ein ganz anderes Kaliber. Mir kam immer wieder der Gedanke „…dass hier noch Leute leben.“

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Das alles ist Iasi

Funfact: Wie mir Christof erzählt hat, hat Iasi die alten Stuttgarter Straßenbahnen, besser gesagt Trams bekommen, die in Stuttgart einmal gefahren sind und dann damals ausgetauscht wurden. Und tatsächlich, wir entdecken deutsche Inschriften. Wir hätten beide nicht gedacht noch einmal mit den alten Stuttgarter Straßenbahnen fahren zu können.

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Der Möbelgigant

Nachdem wir am Nachmittag etwas Schlaf nachgeholt hatten (wir konnten erst um 2 einchecken) haben wir in einige Kirchen reingeschaut. An einer Straße in Iasi steht nämlich wirklich Kirche an Kirche aus sehr unterschiedlichen Zeitaltern und Stilen. Man könnte die Straße schon beinahe als Kirchenmuseum bezeichnen.

Sehr feine Musterungen
Sehr feine Musterungen
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Eine moderne, kreisrunde katholische Kirche

Als es schon Abend wurde haben wir einen Abstecher in die Mall gemacht. Und diese ist riesig! Die Größe des Eingangsraums ist gigantisch. Als ich reinkam, dachte ich erst, ich wäre an einem Flughafen. Mich beschlich ein bisschen so ein ehrfürchtiges Gefühl, wie man es hat, wenn man eine große Kathedrale betritt. Alles ist äußerst luxuriös und schick – es scheint, als ob in Rumänien der Kapitalismus viel mehr um sich schlägt wir es gewöhnt sind. Es ist eben schon ein Konsumtempel. Wenn man von den armeseligen, riesigen, grauen Wohnkomplexen hier hereinkommt, befindet man sich so ein bisschen wie in einer Traumwelt. Es passt überhaupt nicht zum Rest der Stadt.

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(Der Raum war wesentlich größer, als ich ihn mit dem Objektiv aufnehmen konnte.)

Mit diesem einen ganzen Tag in Iasi endet auch praktisch schon unser Aufenthalt dort. Wir gehen in die Unterkunft, denn am nächsten Tag geht schon unser Zug nach Constanta. Dieser Tag wird ein reiner Reisetag werden.

Ein Museum in Iasi bei Nacht
Ein Museum in Iasi bei Nacht

Mittwoch

Unser Zug ging um kurz vor 8 bei schönstem Wetter. Beinahe hätten wir ihn verpasst. In letzter Minute kamen wir an, die Fahrkarte mussten wir im Zug lösen. Zum ersten Mal sind wir tagsüber gereist und konnten etwas von der Landschaft und der Umgebung sehen. Die Landschaft ist auf dieser Route immer ziemlich flach, manchmal ein kleines bisschen hügelig und eigentlich immer unbewachsen, von dem her ist der Rausblick ziemlich unspektakulär und gleich bleibend. Daher rührt wahrscheinlich auch mein seltsamer Eindruck, dass Iasi oder auch Cluj von Wüste umgeben seien… Mit nur 20 Millionen Einwohnern auf einer Fläche, die immerhin 2/3 so groß ist wie Deutschland, ist die Bevölkerungsdichte auch wesentlich geringer.

Wesentlich eindrücklicher als die Landschaft, sind die kleinen Dörfer. Uns begegnete Armut. Meistens sind es nur kleine Hütten, in denen die Menschen leben. Oft erinnerte es mich an Schrebergärten, bis mir einfällt, dass sie dort ja leben. Des Öfteren sieht man auch mal ein Pferd, an einen Karren angespannt, das in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Es ist schon eine ganz andere Welt, was wir da sehen. Ist das noch Europa?

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Als wir an einem kleinen Bahnhof 2 ½ Stunden Umsteigezeitnutzen haben, nutzen wir die Zeit und laufen ein wenig in das Dorf rein. Die Atmosphäre erinnert mich stark an den Anfang von Dürrenmatts „der Besuch der alten Dame“, nur das eben keine alte Dame kommt.

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Die hängende Kleidung verweist auf Menschen
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Der Müll liegt dort einfach so
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(Durch das Dorf fließt ein Fluss)
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Die Hühner liefen dort frei herum
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Etwas abseits lagen einige verfallene Baracken – ebenfalls mit Müll vollgeladen

Auch am nächsten Bahnhof hatten wir ebenfalls Aufenthalt. Gefühlt alle Leute an denen wir vorbeigekommen sind, haben uns gleich nett angesprochen und uns gefragt, was wir den so machen (das vermute ich zumindest, verstanden haben wir sie nur begrenzt). Aber ganz generell gilt, die Rumänen sind unglaublich nette, hilfsbereite und zuvorkommende Menschen. Oft haben sie selbst die Initiative ergriffen und gefragt, ob sie helfen können – da hat es schon gereicht, ein bisschen hilflos auszusehen. Und es sprechen wirklich fast alle englisch. Das hat mich echt überrascht vor allem, da in der Slowakei ziemlich das Gegenteil der Fall ist.

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Ein Trabi findet man auch noch – der ist aber noch in Benutzung
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Ein kleines Kätzchen versteckt sich unter einer Bank am Bahnhof

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Während der letzten Zugfahrt nach Constanta ging schließlich die Sonne unter. Der Zug war ganz witzig, da bei voller Fahrt einfach mal die Türen sperrangelweit offen standen. Natürlich nicht während der ganzen Fahrt aber ab und zu. Da konnte man sich gut einmal durchwehen lassen, wenn man mal auf’s Klo gegangen ist (welches man übrigens aber besser meiden sollte). Im Vergleich dazu sind die Slowakischen Züge echt modern.

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Abends am Bahnhof von Constanta wurden wir erstmal von einer Flut von Taxifahrern angesprochen. Allgemein wimmelt es in den Städten gerade nur so von Taxis. Wir fanden zu Fuß den Weg zum Hotel und wurden dort sehr gastfreundlich und sogar auf Deutsch von dem leidenschaftlichen Hotelier empfangen. Bevor wir schlafen gingen, sind wir noch an den Strand gelaufen, denn Constanta liegt am Schwarzen Meer. Ich bin sehr glücklich, es hier her geschafft zu haben, da es schon seit meinem Kommen in die Slowakei ein kleiner Traum von mir war, einmal ans Schwarze Meer zu fahren.

Donnerstag bis Samstag

Diese Tage 3 Tage in Constanta fasse ich ein wenig zusammen und zeige lieber ein paar Bilder.
Eigentlich wollte ich in der Stadt nicht mehr, als in der Sonne am Strand liegen, es hatte aber in den 3 Tagen praktisch durchgängig schlechtes Wetter mit viel Regen. Constanta ist eine alte Hafenstadt, weicht daher stark von Cluj und Iasi ab und ist allgemein ziemlich auf den Sommertourismus ausgelegt. So war es interessant, in so einer Stadt mal im Winter zu sein.

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Am Strand gab es Muscheln, wie Sand am Meer. Naja, ganz so viele wahrscheinlich auch nicht 😉

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Das alte Casino; im Hintergrund der Hafen

IMG_8246 IMG_8263 IMG_8375bsAm Samstagabend sind wir mit dem Zug in gerade mal 2 Stunden nach Bukarest gefahren. Und auch dort wurden wir herzlich empfangen. Roxanna kannte in Bukarest jemanden, der uns gerne durch die Stadt führen wollte. Laurentiu ist Lehrer für orthodoxe Religion und lebt derzeit in der Hauptstadt.

Sonntag

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Bukarest

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Am nächsten Morgen (wir waren günstig in einem Hotel, das von einem Kloster betrieben wurde untergekommen) bin ich mit Laurentiu in den orthodoxen Gottesdienst. Er singt dort im Chor. Für alle, die noch nie in einem orthodoxen Gottesdienst waren, beschreibe ich das ganz kurz, es ist nämlich echt anders.

Zuerst einmal, wenn alle reinkommen, küsst jeder die Ikonen, die in der Mitte des Raumes stehen und schlägt mehrmals das Kreuz vor ihnen (das machen die Leute übrigens immer, wenn sie in die Kirche kommen, auch wenn kein Gottesdienst ist). Weil es so viele Leute sind bildet sich dahinter eine Schlange. Im Hintergrund hört man immer Gesang, es werden Texte aus der Bibel in einfacher Melodie gesungen. Da im Kirchenschiff keine Bänke stehen, stehen die meisten Leute den ganzen Gottesdienst über, der normalerweise 2 Stunden geht.
Als ich dort war, war gerade ein hoher Bischoff da (von dem hing sogar ein Bild in der Kirche), deshalb ging der Gottesdienst 3 Stunden und war mit Chor. Ich hatte zum Glück einen Sitzplatz. Nachdem die Gemeinde mit dem Küssen fertig war, kam dieser hohe Priester rein, der ebenfalls die Heiligen auf diese Art und Weise verehrte (er hatte eine lange Schleppe, die von einem Schleppenschlepper getragen wurde). Als er fertig war, macht er viele symbolträchtige Bewegungen und wird dabei immer von Gesang begleitet. Die Gemeinde singt nie mit, schlägt aber oft das das Kreuz. Da ich die Sprache nicht verstanden habe, hatte ich keine Ahnung, was das alles bedeuten soll, jedenfalls musste ich ständig aufstehen. Vieles hat sich auch im hinteren, abgetrennten Altarteil abgespielt, in dem man kaum reinsehen kann. Am Ende hat der Priester noch eine Predigt gehalten und anschließend konnte man vorne noch in Servietten eingewickelte Brotstücke bekommen und sich mit dem Stift was auf die Stirn schreiben lassen. Es hatte bestimmt alles seinen Sinn, der ist mir beinahe vollkommen verborgen geblieben.

Mit auch dadurch wurde das Ganze zu einem ziemlichen befremdliches Erlebnis und kam mir etwas unsinnig vor. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas, was so weit weg ist, immer noch das Christentum sein soll. Normalerweise dachte ich, man müsste, um so einen Gottesbrauch zu erleben, viel weiter reisen, als in den Osten Europas. Jedoch muss ich mit meinem Urteil vorsichtig sein, schließlich glauben an diese Religion ja Millionen von Menschen und sie nimmt in den Leben von den Menschen eine zu wichtige Rolle ein, als dass man sie einfach als Aberglaube zunichte reden kann.

Den Nachmittag verbringen wir in einem Freilichtmuseum in dem einige traditionelle Häuser aus Rumänien ausgestellt sind. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der (kleinen) Altstadt und an dem Triumphbogen vorbei. Das Museum ist ganz nett und abends ruhen wir uns in dem anliegenden Park etwas aus.

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„Eingang“ zur Altstadt
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das kleine Paris
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Abends im Park

Montag

Unser letzter Tag, bevor wir am Dienstagmorgen unser Rückflug nach Bratislava antreten. Laurentiu ist am Morgen in der Schule, daher besichtigen wir allein den Parlamentspalast. Und der ist riesig.

IMG_8434Der unter kommunistischer Diktatur von 1984 bis 1985 in nur 5 Jahren hochgezogener Prunkpalast ist nach dem Pentagon das zweit-größte administrative Gebäude der Welt. Die Innenräume (von denen ich leider keine Bilder machen konnte) sind unglaublich prunkvoll und schlicht beeindruckend. Am Ende unserer einstündigen Führung teilte uns unser Führer mit, dass wir nun 2 km durch das Gebäude gelaufen sind und davon nun 3% gesehen haben.

Nachmittags waren wir nur in einen Park (ein anderer) und als es schon abends war, kamen wir noch an einem ganz besonderen Laden vorbei:

IMG_8435Hier konnte man Orginal-Produkte „made in Germany“ kaufen, sei es auch das billigste Spülmittel aus dem Real. Die Angestellten tragen Pullover in Deutschlandfarben. Da wurde es mir dann echt zu viel. In der U-Bahn hatte uns ein Mann, der uns deutsch reden gehört hat, auf Deutsch angesprochen und uns gefragt, was wir hier so machen und so weiter und so fort. Ich habe ihn gefragt, wie ihm Rumänien so gefalle und ob er darüber nachdenken würde, umzuziehen. Darauf reagierte er, dass ihm sein Heimatland sehr gut gefalle, aber er dennoch gerne nach Deutschland ziehen würde. Kurz bevor er aussteigen musste und sich verabschiedete, meinte er (wir waren dann schon auf Englisch umgestiegen): „When you travel in other countries, especially in poor countries, you see on what place you are on this world“.

Er hat Recht. Mir wurde klar, dass ich eigentlich für meine gute Lebenssituation noch nicht viel mehr getan, als hier geboren worden zu sein. Und wie ich erlebte, muss man, um armen Menschen zu begegnen, nicht erst nach Afrika fliegen. Zeit für ein wenig Dankbarkeit und Verantwortung.

 

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