Weihnachten – Benjamin

Kurz bevor das neue Jahr beginnt, nehm ich mir noch geschwind die Zeit, ein wenig von Weihnachten zu erzählen. Auch Antworten über örtliche Weihnachtstraditionen möchte ich nicht schuldig bleiben. Christof und ich sind nämlich beide über Weihnachten hier geblieben. Aber der Reihe nach.

Vom 21. bis zum 23. Dezember waren Christof und ich bei Roman „unserem Arbeitsgeber“ in Košice. Er kommt nämlich aus dieser Stadt und hat dort immer noch in einer Wohnung in der wir, Roman seine Frau und sein kleiner Sohn zusammen waren. Košice (sprich Koschize, auf deutsch Kaschau) ist zweit größte und zweit wichtigste Stadt im Osten der Slowkei.

IMG_7208bs2Da Roman sich dort selbstverständlich gut auskennt, hat er uns durch die Stadt geführt, die trotz allem nicht sonderlich groß aber dennoch ganz schön ist (einen kleinen Weihnachtsmarkt gab es auch).
IMG_7259Die Zeit habe ich als sehr entspannend wahrgenommen und auch als etwas familiär. Mir hat das sehr gut getan, im adventlichen Showdown etwas untertauchen zu können.

Die größte Kirche der Slowakei von innen und außen (ebenfalls nicht sonderlich groß)
Die größte Kirche der Slowakei von innen und außen (ebenfalls nicht sonderlich groß)

Am 23. sind wir abends in Dolny Kubin angekommen.
An Heilig Abend waren wir eingeladen. Und zwar von einem jungen Ehepaar, dass wir schon im Sommer auf dem Kirchentag in Stuttgart kennen gelernt haben (wobei sie da noch nicht verheiratet waren…) Da sie beide nach dem Sommer zum Praktikum machen bzw. Studieren nach Leibzig gezogen sind, war die Sprachbarriere auch kein Hindernis.
Um 5 Uhr begann der Gottesdienst in dem kleinen Dorf ein paar Kilometer weiter von Dolny Kubin. Ich hatte das Gefühl, dass das ganze Dorf anwesend ist, zumindest 2/3 waren sicher da. Den evangelischen Gottesdienst empfand ich als relativ schlicht. Etwas gewöhnungsbedürftig bleibt für mich, dass der Pfarrer viele Bibeltexte gesungen hat, aber das ist hier am normalen Sonntagmorgens Gottesdienst genauso. Darüberhinaus gab es noch eine Art Mini-Krippenspiel (das ich von meinem Platz auf der Empore allerdings nicht gesehen hatte – die Kinderstimmen, die ich gehört habe, waren ganz süß; der Kinderchor mit Flöten und Gitarre bemerkenswert schief). Darüberhinaus hat noch ein Chor 2 Lieder gesungen.
Nach dem Gottesdienst sind wir zusammen ins Wohnhaus zum Festmahl spaziert. Neben uns beiden, Jana und Marek (das Ehepaar), war noch der Vater und der Großvater von Marek anwesend – eine gemütliche und beschauliche Runde. Ganz allgemein kam es mir sehr frei und zwangslos vor… Mehr wie eine Geburtstagsfeier von irgendjemand, bei dem man eingeladen ist und nicht wie ein urtraditionelles Familienfest. Und wird das Weihnachten nicht gerechter?
An traditionellen Speisen sollte es nicht fehlen: Als Appetithäppchen gibt es in der Slowakei Obladen – mit Honig und Knoblauch. Ja, das geht, ich habs probiert und es schmeckt sogar, wenn man sich ein wenig darauf einlässt. Danach die Suppe, eine Krautsuppe im ganz weiten Sinne (damit meine ich, dass in ihr ganze Kartoffeln, Rippen und Würste enthalten sind), sehr lecker. Als ich dann satt war, gab es Schnitzel und Kartoffelsalat, auch das ist eine übliche Weihnachtsspeise, so viel ich weiß. Plätzchen gibt es übrigens auch.
Falls ihr euch fragt, was hier sonst noch an Weihnachten traditionell ist, kann ich euch sagen, dass es nur kleine Unterschiede zu Deutschland gibt. Vielleicht sind die Weihnachtsmärkte nicht so groß (der in Ludwigsburg war schon größer als der in Košice) und der Glühwein ist im Prinzip nur warm gemachter Wein, ohne Gewürze oder dergleichen. Ansonsen gibt es keine Weihnachtsbaummärkte. Mir wurde erzählt, dass wann man einen Weihnachtsbaum will, man entweder in sein eigenes Waldstück geht und ihn dort fällt, oder auf einen Plastikweihnachtsbaum zurückgreift. Von diesen habe ich hier relativ viele gesehen. Darüberhinaus gibt es ganz normal Weihnachtskränze, Weihnachtsschmuck und am Nikolaustag findet man – insofern man artig war – auch Süßigkeiten in seinem Schuh (übrigens; ich war artig!)
Die Leute beschenken sich genauso wie in Deutschland an Heilig Abend und wer möchte legt die Geschenke auch unter den Baum. Selbst viele uns urbekannten Weihnachtslieder sind ins Slowakische mit gleicher Melodie übersetzt (ich frag mich dann immer, wo die denn eigentlich ursprünglich her kommen, wenn nicht aus dem Deutschen. Für die Slowaken sind das doch auch urbekannte slowakische Weihnachtslieder, oder nicht?).
Zurück zu unserem Weihnachtsfest. Nach dem Essen gab es die Geschenke. Jana wollte noch zu iher eigenen Familie fahren, da sie es dadurch etwas eilig hatte wurden, lief es dann darauf hinaus, dass alle ihre Geschenke dem anderen gebeben haben, während sie ziemlich gleichzeitig die bekommenen öffneten. (Also kein „Jetzt bis du dran mit auspacken…“). Diese schnelle und äußerst effektive Art der Bescherung ist mir eigentlich äußerst sympathisch.
Als wir dann gegen 9 Uhr wieder zurück in der Wohnung waren, habe ich die Gelegenheit genutzt und den Abend über mit der Familie geskypt. Das war natürlich nicht dasselbe, wie da heim zu sein, kam aber dem erstaunlich nahe heran. Am ersten und 2. Weihnachtsfeiertag war fast gar nichts los, von dem her haben wir viel Zeit in der Wohnung verbracht. Das empfand ich schon etwas einsam (vor allem 10 Sekunden nach dem man bei Skype auf den roten Telefonhörer gedrückt hat…), nichts desto trotz war es entspannend. Alles in allem fand ich daher Weihnachten nicht zu Hause zu verbringen, gar nicht so schlimm, wie man denken könnte – auch einfach weil es schnell wieder vorbeigezogen ist und ich durch die so wie so völlig anderen Umstände gewisse Dinge gar nicht zu vermissen wusste.

Jedoch habe ich ganz allgemein damit begonnen, das Weihnachtsfest in Frage zu stellen – ohne eine weitere Strophe des Konsumkritikliedes zu dichten. An Geschenken und Familientreffen ist ja nichts auszusetzten, es ist ja viel mehr lohnenswert jene beizubehalten… Nur steht die Geburt Jesu zu diesem Fest nicht in keinem oder zumindest nicht in einem guten Verhältnis? Jedenfalls dachte ich, als ich den Gottesdienst verlassen habe, so „und das soll es jetzt gewesen sein? Warum geh ich jetzt nochmal feiern?“. Zu Hause, im Kreis meiner Familie habe ich mich immer sehr auf alles gefreut, aber jetzt wo ich den Aufenthaltsort gewechselt habe, kommen mir alle Bräuche so willkürlich vor; eigentlich richtig unnötig für den eigentlichen Kern des Weihnachtsfests. Ich meine, wenn man bei einer Geburtstagsfeier eingeladen ist, denkt man nicht lange nach, warum man  feiert. Da feiert man einfach und der Grund könnte offensichtlicher nicht sein. Feiern wir nicht in großen Teilen schlicht den Brauch, um uns dann einzubilden, dass es um Jesus geht (also zumindest die Christen)? Ich zumindest schon, wie mir bei diesem Ortswechsel klar wurde. Die Geburt Jesu ist mir im Vergleich zu Ostern eigentlich relativ egal. Die Frage ist nur, ob ich jetzt das Fest auf den Grund minimieren, die Geburt Jesu wichtiger nehmen oder einfach weiterhin die Familie, das Essen und das Zusammsein feiern sollte!?

Ich wünsche euch allen ein frohes, neues Jahr 2016!

PS Wenn ihr euch über das Veröffentlichungsdatum wundert, ich habe den Text größtenteils im letzten Jahr verfasst, aber erst dieses Jahr veröffentlicht.

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